Eigentlich wollte ich heute ja über etwas völlig anderes schreiben, aber wenn ich schon einmal von einem persönlichen Magic-Erfolg berichten kann, muss ich auf die Gelegenheit natürlich springen wie die ausgehungerte Katze auf die Maus. (Und ja, der Vergleich trifft es.) Wenn ich „Erfolg“ schreibe, meine ich damit allerdings nicht etwa Erfolg, sondern nur etwas ganz Ähnliches: Misserfolg nämlich. Wenngleich relativ knapp...
Andererseits kann ich mir vorstellen, dass sich viele von euch für die Ich-Perspektive vielleicht nicht so sehr interessieren wie für die harten Zahlen und Fakten des Turniers. (Ich schreib gerne auch noch einmal vier Artikel über Elfen, aber für die meisten wird's wohl irgendwann langweilig...) Deshalb beginnen wir mit den reinen Roh-Daten:
Feldstudien
57 Spieler waren insgesamt angetreten und teilten sich in überraschende Decktypen auf. Unter anderem waren Feen ausnahmsweise einmal nicht das meistgespielte Deck und... ach, seht selbst!
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Loam-Rock
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Burn
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Affinity
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Feen
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TEPS
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Naya-Burn
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BoP-Deck*
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Zoo
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Elfen
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Swans
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Slide
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Dredge
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Sonstige**
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*Diese Decks basieren auf Birds of Paradise und Noble Hierarch – GW-Haterator, Bant, Doran-Rock & Bant-Doran-Rock.
**Nur einmal vertreten: UW-Tron, All-In Red, Goblins, Goblin Charbelcher & Protean Hulk.
Jedes Kästchen steht für ein Deck/einen Spieler. Rot sind diejenigen, für die Dabeisein tatsächlich alles war, gelb steht für ein Ergebnis von mindestens 4-2 und grün sind die Top 8.
Top-Achterbahn
Mal etwas Neues: klickt auf den Namen eines Spielers, um sein Deck angezeigt zu bekommen! (Soweit ich etwas Intelligenes dazu zu sagen habe, findet ihr unter jeder Liste außerdem einen Kommentar.)
Viertelfinale | Halbfinale | Finale | Sieger | Philipp Hahn | Robert Wilbrand | | |
Robert Wilbrand | Robert Wilbrand |
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Kiri Tang | Tobias Henke | Robert Wilbrand |
Tobias Henke |
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Dominik Nitsch | Dominik Nitsch |
Matthias Koenning | Michael Kammer |
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Michael Kammer | Michael Kammer |
Felix Uhe | | |
Michael Kammer – Naya-Burn |  |  | |  4 Figure of Destiny
4 Wild Nacatl
4 Kird Ape
4 Keldon Marauders
4 Tarmogoyf
3 Woolly Thoctar
3 Volcanic Fallout
2 Magma Jet
3 Sulfuric Vortex
4 Incinerate
4 Lightning Helix
2 Snow-Covered Mountain
3 Windswept Heath
4 Wooded Foothills
4 Bloodstained Mire
3 Sacred Foundry
1 Temple Garden
3 Stomping Ground
1 Forest

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2 Ancient Grudge
3 Jötun Grunt
3 Rule of Law
4 Circle of Protection: Red
3 Krosan Grip

| —Diese und weitere Karten gibt's bei:

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Tobias Henke – Elfen |  |  | |  4 Nettle Sentinel
4 Llanowar Elves
4 Boreal Druid
4 Heritage Druid
4 Birchlore Rangers
4 Wirewood Symbiote
4 Elvish Visionary
1 Eternal Witness
1 Vexing Shusher
1 Regal Force
1 Viridian Shaman
4 Summoner's Pact
4 Glimpse of Nature
3 Weird Harvest
1 Brain Freeze
2 Pendelhaven
1 Horizon Canopy
13 Forest

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4 Naturalize
3 Fecundity
3 Vexing Shusher
2 Imperious Perfect
1 Viridian Shaman
1 Gaea's Blessing
1 Grapeshot

| —Diese und weitere Karten gibt's bei:

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Die Ähnlichkeit zu der Liste, mit der Philip Passin vor Kurzem einen zweiten Platz in Ludwigsburg ergattern konnte, kommt nicht von ungefähr, sondern beruht auf einer längeren E-Mail-Korrespondenz, die nach dem PTQ in Hasselt ihren Anfang nahm. (Und bei der ich einfach mal für mich in Anspruch nehme, den größeren Redeanteil gehabt zu haben.)
Unter anderem stellte ich ihm die Frage, wie oft
Thoughtseize
denn bisher gut gewesen wäre. Beim PTQ in Kruft hatte ich nämlich festgestellt, dass ich die Karte NIE sideboarden wollte bzw. dass ich niemals vier Karten fand, die ich rausnehmen wollte, um nicht die Kombo empfindlich zu schwächen. Nachdem das geklärt war (und geklärt wurde es durch eine Aussage, die ungefähr folgendermaßen klang: „Öhm, ja, stimmt.“), war der Weg frei für eine monogrüne Version, die sich wirklich ganz auf die eigenen Stärken konzentriert und nur minimale Zugeständnisse an ihre Schwachpunkte macht. Nebenbei hilft das massiv gegen
Blood Moon/
Magus of the Moon
– beides Karten, die einen in ernsthafte Schwierigkeiten stecken können.
Neuzugang
Vexing Shusher
ist
die
wichtigste Karte, die mir in Kruft fehlte und mit der ich die dortige Feen-verseuchte Top 8 vielleicht auch nicht gleich gewonnen hätte –
ohne
die es aber auf gar keinen Fall ging. Der zweite
Pendelhaven
im Maindeck hat mich bisher nie ernsthaft gestört, dafür aber schon so viele Spiele gerettet, dass ich niemals mehr darauf verzichten will. Einmal
Horizon Canopy
halte ich weiterhin für die korrekte Anzahl, aber der Effekt ist dermaßen minimal, dass es eh kaum ins Gewicht fällt.
Und damit bleibt bloß noch das Sideboard: Verzauberungen muss man loswerden können. Einmal wegen einer Vielzahl an und für sich unerwarteter Karten wie beispielsweise
Rule of Law
und einmal wegen
Pyrostatic Pillar. Sonst hat man sogar gegen Burn auf einmal ein schlechtes Matchup! Die Auswahl der
Naturalize-Effekte ist aber längst nicht so eindeutig, wie diese Liste den Eindruck zu erwecken versucht. Sowohl
Gleeful Sabotage
als auch
Nullmage Shepherd
sind legitime Kandidaten, nur
Naturalize
macht den Job eben am zuverlässigsten und
spontansten.
Imperious Perfect
springt zuweilen als Lückenbüßer ein, um manch kreativerem Problem zu begegnen, sei es nun
Goblin Sharpshooter
oder
Night of Souls' Betrayal
– aber prinzipiell ist die Karte (in
diesem
Elfendeck! – Bedenkt, dass man hier voll und ganz auf Kombo setzt!) einzig und allein für das Matchup gegen andere Elfen gedacht. Denn die
Chord of Calling-Version muss nicht mehr tun, als einen
Wirewood Hivemaster
im Spiel und Chord auf der Hand zu halten: Dann kommt irgendwann, notfalls auch im eigenen Kombozug,
Orzhov Pontiff
und sagt: „Guten Tag.“ Und zwar nicht in dem Tonfall, in dem man ein Gespräch beginnen würde, sondern in dem man eines beendet.
Die letzten beiden Sideboardkarten sind zweifelhaft, und wenn z.

B. D

redge auch nur irgendwie einen Faktor im Metagame darstellen sollte, wäre man mit
Relic of Progenitus/
Tormod's Crypt
sicher besser bedient. Tut es aber nicht und deshalb hat man hier Platz für Spielereien.
Gaea's Blessing
kommt gegen andere
Weird Harvest-Elfen zum Einsatz. (Zumindest wenn sie
Brain Freeze
enthalten.) Schließlich läuft die Kombo in der Regel so ab: Man zieht verdammt viele Karten und produziert verdammt viel Mana. Dann spielt man
Brain Freeze
und kann sein überschüssiges Mana problemlos in besagten X-Spell stecken. Manchmal braucht man
Weird Harvest
sogar, um die Kombo überhaupt zu starten. Egal wie, wann und warum – wenn im
Weird Harvest-Mirror
Weird Harvest
gespielt wird und das Spiel
nicht
beendet, dann gewinnt das Gegenüber AUF JEDEN FALL! Mir ist das Matchup seit dieser Änderung zwar nicht mehr untergekommen, aber Philip hat genau dadurch wohl einmal gewonnen.
Zu guter Letzt:
Grapeshot
landete im Sideboard, um ähnlich gelagerten Plänen einen Strich durch die Rechnung zu machen. (
Academy Ruins
beispielsweise können
Brain Freeze
ebenso besiegen.) Und dann gibt's noch massig Matchups, in denen ein kleiner
Grapeshot
einem kleinen
Brain Freeze
schlicht überlegen ist, vor allem gegen Affinity. (Und mehr noch gegen Goblins!) Im Mirror hingegen schätze ich die Möglichkeit, mit
Brain Freeze
den gegnerischen Kombo-Zug zu entführen.
Das Turnier
Runde 1:
Mein Gegner spielt Feen und ich habe den einen
Vexing Shusher
im Maindeck gezogen. –
Ja!
– Mein Gegner jedoch klaut ihn sich sofort mit
Threads of Disloyalty. –
Nein!
– Dann allerdings spielt er
Umezawa's Jitte, tappt sich fürs Ausrüsten aus und greift gegen
Elvish Visionary
&
Wirewood Symbiote
an. –
Ja!
– Ich enttappe und töte ihn.
Im zweiten Spiel habe ich
Boreal Druid
und
Forest
im Spiel und
Viridian Shaman
auf der Hand, als er
Chalice of the Void
1 spielt. Es kommt aber kein zweites Land! Dafür bei ihm
Vendilion Clique, die sich meines Schamanen annimmt!! Ein Spiel Not gegen Elend nimmt seinen Lauf, in dem ihn insgesamt zwei
Vexing Shusher
und diverse 1-Drops totschlagen, während er in Ermangelung sinnvoller Spielzüge sogar noch Chalice 2 legt. Spätestens ab da bin ich mir sicher, dieses Spiel zu gewinnen, schadet ihm die zweite Chalice doch wesentlich mehr als mir. Endstand der durch
Chalice of the Void
neutralisierter Sprüche: null bei mir – ein
Stifle
bei ihm.

Runde 2:
Ich spiele gegen oder eher
mit
Affinity. Dieses Matchup ist für den Artefaktmagier wirklich extrem einfach – er verliert nämlich
einfach.

Runde 3:

Runde 4:
Nach Doppelmulligan kann ich bis einschließlich Turn 4 nicht gewinnen. Zu dumm, dass genau jetzt ein
Goblin Sharpshooter
aktiv wird...
In den anderen beiden Spielen kooperiert mein Deck und beschert mir einen Sieg durch
Brain Freeze
und einen durch
Imperious Perfect-gestützten Beatdown. Ach ja, mein Gegner spielt übrigens tatsächlich Goblins. Mit denen hatte ich auch ein wenig experimentiert, es aber aufgegeben, nachdem ich nicht einmal das Elfen-Matchup positiv gestalten konnte.

Runde 5:
Es dauert zwar unglaublich lange, bis ich aus den Pairings die Standings deduziert habe, aber dann zeigt sich, dass alle vier 4-0er sicher in die Top 8 drawen können. Wie hieß es in der Fernsehwerbung eines Internetanbieters?
„Drin... Das war ja einfach.“

Runde 6:
Ich besiege den Schnitzelteller mit Outside Assistance von Tai Scharfe – kein Judge schreitet ein...

Viertelfinale
Mein Gegner boardet viel zu viel Hate und baut nie Druck auf. (Ein unglaublich populärer Fehler!) Außerdem er ist sich voll im Klaren, dass er mit Affinity keinerlei Chance hat, und das zementiert das Ergebnis natürlich noch.

Halbfinale
„Hey, offensichtlich goldfischen die Schwäne sogar schneller als die Elfen!“ – Das ist natürlich eine dreiste Lüge, aber nach Mulligan auf sechs schafft es mein Deck auch ohne jegliche Gegenwehr seinerseits nicht, bis Turn 4 zu gewinnen.
Im zweiten Spiel fehlt mir für den Turn-3-Kill ungelogen eine von 29 Karten aus dem Deck. (Zum Beispiel die nächste Karte, die ich ziehe.) Im Gegenzug fehlt ihm überhaupt nichts für
Firespout. Zwei Züge später droht seine Kombo, aber ich kann es noch einmal probieren: Mit etwas Glück gerate ich tatsächlich in die Situation, in der ich in den nächsten zwei Karten nur einen Elf (oder Pact) ziehen muss. Klappt nicht. Schade.
Wenn er mich wenigstens mit Leyline of Singularity
besiegt hätte, aber im Endeffekt haben bloß zweimal die Draws nicht gereicht. Simon Görtzen hätte nach eigener Aussage nichts anders gespielt und das ist immer ein gutes Indiz. Nur stellt sich die Frage: Wenn ich mir
nichts vorzuwerfen habe – wem dann?
Jedenfalls habe ich es in all den Jahren immer noch nicht geschafft, einer solchen Niederlage gleichmütig zu begegnen, und falls irgendjemand zu viel üble Laune abbekommen hat: Sorry!
Viel Glück in Honolulu gebührt Robert Wilbrand!
Außerdem gibt's noch ein dickes Lob für das Judge-Team, das trotz Trotz (sprich: trotz widerspenstiger Spieler) ein schönes Turnier über die Bühne gebracht hat, und an Ralph Nowak vom Auenland
für die gewohnt gute Organisation.
Das war's für diese Woche – von mir. (Ihr dürft euch noch auf fünf weitere Artikel freuen.) Für nächsten Montag steht dann planmäßig der Monatsrückblick Februar auf dem Programm.
Bis dahin tappt für euch weiter im Dunkeln...
TobiH
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