Standard
Top 8 in Barcelona, Teil 1
von Jonas Köstler
11.04.2011


„So, servus Leute!
Wir waren in Barcelona … Eh yo, was da los? Komm doch mal her! Was mit dir los, Alda?
Eh, wir waren jetzt grad in Barcelona. Ja weißt'e? Und äh, wir hatten einen Grand Prix und wollten schön was reißen, schön die Leute wegbashen, schön bashen. Männer, ihr denkt eh immer gleich, schön bashen gehen und irgendso Noobs umhauen und richtig gewinnen! Gewinnen! So Whuua!
Und äh … Alter, willst mal schauen, was wir gemacht haben?“


Das dachte ich mir natürlich nicht. Im Gegenteil ich bin vor Tunieren immer sehr demotiviert und gehe vom Worst Case aus, schließlich spiele ich mittlerweile lange genug TCGs, um zu wissen, wie das Glück spielen kann, besonders bei Magic (auch wenn ich das noch nicht so lange auf Turnieren spiele). Drum fahre ich eigentlich nur zum Spaß auf Turniere. Wenn's Geldpreise gibt, ist das mehr ein netter Bonus. Zufrieden bin ich schon, wenn ich meine Fahrtkosten reinbekomme. Und glücklich macht mich bereits der Spaß, den ich mit Leuten wie Flo Surkamp immer habe. Und wenn Spaß haben besser wird, indem man sich eine Maske aufsetzt und Voll-Assi-Toni-Zitate von sich gibt, dann bin ich der Erste, der das macht. (Wer Toni nicht kennt, sollte sich alle drei Teile bitte so schnell wie möglich anschauen, sonst ist der Artikel noch viel unlustiger, als er es ohnehin schon ist, und wer's schon kennt, sollte sie sich noch mal anschauen!)


Höflich ist das nie und unangenehm ist es auch immer irgendwem aus der Gruppe. Aber da Spaß an oberster Stelle steht, kann man beides vernachlässigen. Spaß … ja, den würden wir haben. Sonst wäre ich auch nicht nach Barcelona geflogen. Ursprünglich wollte ich nicht zum Grand Prix. „Standard?! Darauf hab ich echt keinen Bock!“, entgegnete ich, als mich Flo vor ein paar Monaten fragte, ob wir denn fliegen sollten. Er hatte auch nicht viel Lust und somit war die Sache dann erledigt … dachte ich. Aber Paris hat alles verändert. Beflügelt von meiner – wider Erwarten – guten Performance und dem enorm lustigen Trip mit Flo und Julien de Graat, brachte ich Barcelona noch einmal zur Sprache. Flo war zu dem Zeitpunkt von Extended so genervt, dass ihm Standard eine willkommene Abwechslung war, und sagte kurzerhand zu. Flüge gab's bei Ryanair fast geschenkt und so stand dem Ganzen nix mehr im Weg. Robert Darnhof und Jürgen Stephan hatten zufällig die gleichen Flüge gebucht und so konnten wir uns mit den beiden sowie zwei Freunden (einer (Matze), der auch den Grand Prix spielen wollte, es dann aber doch sein ließ, und der dickliche Mitbewohner vom Jürgen (Michi?)) und der Freundin vom Jürgen (Romana?), welche auch mit von der Partie sein würden, für Hotel und Bayerntickets zum Flughafen Memmingen zusammentun. Hier gab's dann schon die ersten Reibereien, als es im Vorfeld vom Jürgen hieß, die drei „Normalos“ wären nicht bereit, zwei Bayerntickets durch sieben zu teilen, sondern wollten nur für ihr eines anteilig bezahlen. Am Ende war das zwar kein Problem mehr und es wurde fair geteilt, doch der schlechte Eindruck war bereits da. Und sollte bei zweien von ihnen leider auch bestehen bleiben.

„Junge, was soll ich dir da erzählen?
Wie gesagt, Hater … Ja …
Äh es geht ja um Magic, oder?“
„Ja, du spielst nicht viel Magic zur Zeit, ne …?“
„Ne ne … ja ne …“
„Ja, erzähl mal was! Was hast denn gemacht, um dich vorzubereiten?“
„Ja, Dings, PT Paris gezockt, gut abgeschnitten, kein Bock mehr gehabt. Na ja, dann hab' ich so'n anderes Spiel gezockt. Scheißegal! Geht euch sowieso nix an. Ein anderes Spiel gezockt. Zwei, drei Wochen damit verbracht. Hauptsache, der Schotter stimmt. Richtig Kohle gemacht.“


In Wirklichkeit hatte ich nur wenig Gewinn gemacht, was hauptsächlich am Versagen meiner Teammitglieder lag, aber es hat Spaß gemacht, mal wieder das WOW-TCG zu zocken. Deswegen hatte ich mich nach der PT so gut wie gar nicht mit Magic beschäftigt. Erst so zwei Wochen vor Barcelona habe ich mir wieder Gedanken über Standard gemacht, mit dem gleichen Ergebnis wie immer, wenn ich mir über Constructed Gedanken mache: Ich bin mit allem unzufrieden. Getestet habe ich fast gar nicht, fast alle Ideen habe ich mit Instantspeed wieder verworfen, nur eine Valakut-Liste mit Birds of Paradise und Lotus Cobra für Random Turn-2- und fast immer Turn-3-Titan sowie Memoricide im Board hat's über das Goldfishen hinaus zu ein paar MWS-Matches gegen mich selber (das hört sich schäbiger an, als es ist) und gegen ein paar Randoms geschafft. Das Deck hat zwar gut performt, konnte meine Abneigung gegen Valakut und Decks ohne Jace und Preordain generell aber nicht ändern. Ohne Carddraw/-selection ist man Fortuna einfach noch mehr ausgeliefert, als man es ohnehin schon ist. Und Valakut erscheint mir ohnehin suspekt, da man, auch wenn Primeval Titan resolvt (das Einzige, worum es in dem Deck geht), immer noch oft genug verliert. Ziemlich madig für ein Kombodeck.


Also, sicher ein Deck mit Jace und Preordain. Nur welches? RUG und Caw-Blade sind beides Optionen, die ich nicht testen musste. Und eigentlich auch nicht spielen wollte. Ich wollte was „Eigenes“ haben. Am besten was mit Lotus Cobra, Jace, Preordain, Stonforge Mystic und Sword. Ich wollte Bant!

Nur gibt es leider kein gutes Bant-Deck. Entweder spielten meine Listen Grün nur für Cobra und eventuell Birds oder Weiß nur für Stoneforge Mystic. Und Inferno Titan vom Gegner konnte das Deck in überhaupt keiner Konfiguration verkraften. Ich gab mich geschlagen und begann, mich mit dem Gedanken anzufreunden, RUG oder Caw-Blade zu spielen. Meine RUG-Liste stand zu dem Zeitpunkt schon ziemlich fest und die Caw-Blade Liste würde ich vom Robert kopieren.

„So, weißt, was ich jetzt mach'?
Jetzt geh ich noch mal runter an Kiosk.
Hol mir schön Jägermeister, Jägger M. Wodka, Cola. Alder, dann geb ich mir richtig die Klatsche! Riiichtig die Klatsche!!!“


Das dachte sich wohl auch der nette Herr, den wir am Münchner Bahnhof kennenlernten und der mit auf unser Bayernticket wollte. Am Anfang wirkte er nur fertig und angetrunken, später wurde er beleidigend und provokant, sodass es nicht mehr lustig war. Aber wenigstens der erste Teil der Fahrt verging dadurch schnell. Am Flughafen angekommen zeichnete sich ein Trend in der Gruppe ab, der bis zum Schluss der Reise bestehen sollte. Die Goblins, wie Flo gern einige Leute tituliert, waren nicht – wie auf anderen Reisen – von einem Siege-Gang Commander gesteuert, sondern durch Goblin Assault mit Haste und dem unsinnigen Drang anzugreifen ausgestattet. So begab es sich, dass ich mit Flo und Robert noch 45 Minuten allein beim Essen saß, während der andere Teil der Gruppe schon lange durch die Sicherheitskontrollen geeilt war. Auch beim Boarding wurde schön nach vorne gehastet, aber abgehoben und angekommen sind wir trotzdem alle gleichzeitig. Manche Leute müssen sich echt mehr entspannen.


Mit dem Bus ohne Haste ging's dann weiter von Girona nach Barcelona, wobei die Länge der Fahrt von Sailor Moon, Kickers und Voll Assi Toni erleichtert wurde. Nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir am Hauptbahnhof an. Die Goblins hasteten sofort zur Metro los, sodass wir alle erst einmal voll in den Maze reingelaufen sind, soll heißen: in die falsche Bahn. Also wieder zurück, nicht enttappt, verwirrt rumgelaufen und endlich ging's ab zur richtigen Haltestelle.


Aus der Metro wieder draußen mussten wir noch einen Hügel ohne Giant bezwingen, um im Hostel anzukommen, welches ich am besten mit einem Zitat aus Malcom Mittendrin beschreiben kann: „Ich habe nichts erwartet und wurde trotzdem enttäuscht.“

Wir hatten zwei 4er-Zimmer, eins für Robert, Flo und mich und eins als Goblinbaracke. Nach kurzer Einrichtzeit wurde der Plan gefasst, erst mal zum Supermarkt und anschließend zum Essen zu gehen. Die Goblins hasteten los und wir trotteten hinterher. Im Supermarkt konnte ich mein Glück kaum fassen. Es gibt kein f'ing Dosenpfand! Ich liebe dieses Land! Nur wenig erfüllt mich mit mehr Zufriedenheit, als Dosen zu zerdrücken und auf den Boden zu donnern. Folglich habe ich mich ordentlich equippt und zurück ging's ins Hostel. Nach circa zehn Minuten in unserem Zimmer kam die Frage auf, ob die Goblin-Bande ihr Haste verloren hatte, weil uns niemand zum Essen abholte. Ein Klopfen an ihrer Tür offenbarte jedoch, dass sie sogar noch viel mehr Eile bekommen hatten, und wir mussten zu dritt zum Essen gehen. Manche Leute müssen sich echt mehr Manieren zulegen.

Nachdem wir zu allem Übel durch den Maze wieder gestallt wurden, gab es auch noch schlechtes Essen mit schlechtem Service sowie reichlich schlechte Ideen, Standard zu brechen. Um den Tag noch gut zu Ende zu bringen, verabschiedete sich der Flo, um ins Casino zu gehen, während Robert und ich uns einigten, noch ein wenig zu zocken und dann Schlafen zu gehen.

Das bedeutete Caw-Blade mit Rot …


2 Mountain
3 Island
3 Plains
4 Scalding Tarn
4 Arid Mesa
3 Seachrome Coast
3 Glacial Fortress
4 Celestial Colonnade

4 Preordain
4 Lightning Bolt
4 Jace, the Mind Sculptor
4 Mana Leak
3 Gideon Jura
1 Basilisk Collar
1 Sword of Body and Mind
1 Sword of Feast and Famine


1 Sun Titan
4 Cunning Sparkmage
4 Stoneforge Mystic
4 Squadron Hawk

Sideboard:

1 Jace Beleren
1 Sun Titan
3 Baneslayer Angel
4 Kor Firewalker
4 Flashfreeze
2 Kor Sanctifiers


… gegen RUG mit sechs 6/6ern a.k.a. Devil-RUG (der Name setzt sich nie durch):


3 Copperline Gorge
4 Forest
2 Halimar Depths
4 Island
4 Misty Rainforest
2 Mountain
3 Raging Ravine
4 Scalding Tarn
1 Verdant Catacombs

4 Explore
1 Garruk Wildspeaker
4 Jace, the Mind Sculptor
4 Lightning Bolt
4 Mana Leak
4 Preordain


3 Frost Titan
3 Inferno Titan
4 Lotus Cobra
1 Oracle of Mul Daya
1 Thrun, the Last Troll

Sideboard:

1 Acidic Slime
1 Burst Lightning
4 Flashfreeze
1 Jace Beleren
1 Nature's Claim
4 Pyroclasm
1 Thrun, the Last Troll
2 Tumble Magnet


Die Sideboards waren zu dem Zeitpunkt noch sehr variabel. Ich war mir auch noch sehr unsicher, ob es richtig ist, Precursor Golem nicht zu spielen, sowie bezüglich des 1:1:1-Splits der Nicht-Jace-4-Drops.

In den Preboard-Games war RUG leicht vorne und Postboard war es ziemlich ausgeglichen, wobei die Kor Firewalker enorm stark waren und auch fast alleine (soll heißen: mit Schwert) gewannen. (Die würde übrigens am ganzen Wochenende niemand gegen mich reinnehmen.)

„So ne, Kollege, jetzt hab ich mir nämlich selber grad was klar gemacht! Steine, Kollege! Richtige Steine. Weißt, was das heißt …?
Na ja, so! So!
…“


Ewig lang haben wir nicht gespielt sondern uns recht bald entschieden, Sleep zu casten, und in meinem Fall stimmt das sogar, Schlafmittel sei Dank.


Nachdem Robert und ich irgendwann mittags aufgestanden waren, habe ich UW-Caw-Blade gebaut, welches gegen die rote Version sehr schlecht abschnitt und sich gleich als Deck disqualifizierte. Flo stand gute zwei Stunden nach uns auf und da bekam der Robert auch schon die Nachricht vom Jürgen, dass er und die anderen Goblins mittlerweile zum Hafen gehastet waren. Wir konnten uns also wieder alleine was überlegen. Wir entschlossen uns, zur Rambla zu gehen, um den Kontrast zu den sich dort abspielenden Nachtaktivitäten zu erleben, welche wir uns im Lauf des Wochendes noch anschauen wollten. Die Rambla war so, wie ich mir eine Fußgängerzone in Barcelona vorgestellt hatte: Belebt, bunt und voller Diebe und Betrüger. Geplagt von Hunger schlenderten wir auf der Suche nach einem Schmaus durch die Straße, fanden aber lediglich einen Döner für Flo und Subs für mich und Roberto.

In der Markthalle erlebten Flo und ich, wie man sich auf dem Bazaar of Baghdad fühlt, wir bezahlten 2,5 für einen Drink, den wir zehn Meter weiter auch für 1,5 hätten bekommen können. Alles Betrüger und Diebe. Am Ende der Straße angekommen beschlossen wir, die Rambla wieder runter zum Hafen zu laufen. Kurz vor dem Hafen sahen wir flüchtende, von schwarzem Mana seelisch und körperlich korrumpierte Straßenhändler mit Säcken und Decken voller Uhren und Brillen. Na ja, halt alles Betrüger und Diebe. Vom Hafen sind wir weiter zum Strand gelaufen, wo wir einen Mann ganz ohne Equipment beobachten konnten, der mit einer jungen Frau sprach. Interessante Methode, um angesprochen zu werden.

Am Strand entlang ging's weiter zum Casino. Dort trennte sich auch mein Weg von dem meiner beiden Gefährten. Ich fuhr zurück ins Hostel und erwarb im Supermarkt ein Abendmahl bestehend aus Blaukäse, Wurst und Brot, um dann nach dem Verzehr von zwei Drittel dieser ausgewählten Speisen (die Wurst warf ich nach ein paar Scheiben weg, sie war schlicht ungenießbar) mit dem Anfertigen der Listen für RUG und Caw-Blade mit Rot zu beginnen (entschieden, was ich spielen wollte, hatte ich mich immer noch nicht), und hüllte die Karten ein, die ich am folgenden Tag mitnehmen wollte. Anschließend begab ich mich runter in den Computerraum, um die Zeiten für den GP nachzuschauen, und traf dort auf den Robert mit einigen Bad-Beat-Stories, von denen er bei Magic leider noch mehr bekommen sollte. Wir gingen rauf, er schrieb ebenfalls seine Liste und – oh Wunder! Oh Wunder! – wir sahen den Jürgen mal wieder! Wir machten mit ihm aus, wann wir uns wie morgen zur Site begeben würden. Wir machten uns zum Schlafen bereit, doch Flo sollte unser Vorhaben verzögern; jedoch nur kurz, da er selber keine Liste mehr schreiben musste, sondern nur verbessern. Mein Schlafmittel begann zu wirken, während die beiden no…

„Ja, ähm, dann sag uns was zu deinem Traumdeck. Wie soll das denn aussehen?“
„Ja, wie soll mein Traumdeck denn aussehen …“
„Farbe, oder so …“
„Ja, ich sag dir ganz ehrlich. Farbe scheißegal! Ehrlich! Ich stehe manchmal drauf, wenn ein Deck Rot hat, geil! Wenn ein Deck Schwarz hat, richtig geil! Weiß geht auch, weißt'e. Das ist meist leicht zu spielen, ehrlich. Ich sag dir so!
Aber so... Ah ja Farbe! Ehrlich, Ich sag dir so, is egal! Ehrlich mal ohne Scheiße!“
„Und Strategie? Control, oder?“
„Ja, äh, wenn's kein Carddraw hat. Kein Carddraw, ich hass keinen Carddraw! Wenn … Ehrlich, es gibt für mich nix Schlimmeres wie Decks ohne Carddraw!“


Wie ich zur Wahl zwischen RUG und UWR kam, wisst ihr schon. Nun gab es, nachdem wir an der Site angekommen waren, nur noch zu klären, was von den beiden gespielt wird.

Also noch einmal Vor- und Nachteile der Decks abwägen:

RUG:
+ Beste Kreatur im Format (Lotus Cobra).
+ Unfairere Starts als Caw-Blade.
+ Die Leute wissen oft nicht, wie sie dagegen spielen und boarden sollen.
+ Erfahrung mit dem Deck.
− Man muss sehr viele Mulligans nehmen.
− Schwerer als Caw-Blade zu spielen.
− Höheres Flood- und Colorscrew-Risiko.
− Die Liste ist sicher nicht optimal.

Caw-Blade:
+ Bestes Artefakt im Format (Sword of Feast and Famine).
+ Die Liste von Robert ist für die ganzen Mirrors und Pseudo-Mirrors fast schon komplett gesideboardet.
+ Das Deck muss gut sein, sonst würde Robert nicht das, sondern White Weenie spielen.
+ Robert hat das Deck ausführlich getestet und hat sicher eine gute Liste.
− Das Deck ist weniger unfair als RUG.
− Ich habe kaum Erfahrung damit.
− Die Leute können dagegen spielen.

Nach ausführlichem Diskutieren des Für und Widers bin ich zu dem fundierten Ergebnis gekommen, dass RUG die bessere Deckwahl dastellt!

In Wahrheit habe ich es ausgewürfelt. RUG hat gewonnen, ich stellte Zufriedenheit über das Ergebnis bei mir fest und zweifelte so nicht weiter rum. Noch schnell zum Händler, um den vierten Inferno Titan zu kaufen, welchen ich als 61. Karte spielen wollte. Allerdings waren alle drei Händler ausverkauft. Ich dachte mir: „Whatever, hab keinen Bock rumzulaufen und Leute zu fragen. Spielst du ihn halt net … Ist sowieso alles random!“ Gesagt getan! Noch kurz das Sideboard fertiggebaut und ab ging's mit dem Player-Meeting.

„Erzähl mal was zu … Hast du irgendwelche Hobbies, oder? Was machst du denn gerne? Sport?“
„Ja, ich mach Sport. Ich geh mal schwimmen, ich mach dies. Des is scheißegal! Aber Hobbies? Magic! Boah, ich spiel richtig gerne! Ehrlich! Richtig gerne!“


Aber ich musste/durfte noch warten. Zunächst galt es, die drei Byes abzusitzen. Ich dachte mir, ich nutze die Zeit für meine Meinung zur 61. Deckkarte:

Zum ersten Mal habe ich das bei diesem einem anderen Spiel als ernsthafte Option erlebt. In einem Format haben einige Leute (ich auch) ein sehr spezielles Removal als 41. Karte gespielt, das man zwar nicht immer brauchte, das aber extrem gut war, wenn doch. Der Gedanke dahinter war, dass man die Chance, diese eine Karte im richtigen Augenblick zu haben um 100% steigert (auch wenn die tatsächliche Chance, die Karte in dem Augenblich zu haben, natürlich immer noch bei 1:40 liegt), während man die Chancen, eine andere Karte zu ziehen, nur um 0,064% verschlechtert. Ich habe die 61. Karte bei WOW ebenfalls zweimal gespielt und war nie enttäuscht, also warum nicht auch bei Magic?

Die 61. Karte hatte für mich dann auch noch den schönen Vorteil, immer zu wissen, welches Deck meine Gegner spielen. Die Zusatzkarte ist eben so gut, dass sie einem sogar hilft, wenn man sie nicht selbst spielt.

In der dritten Runde begegnete ich Torben (Sorry noch mal, dass ich dich nicht erkannt habe), der mich gleich mal für die Quick-Question-Sektion verwenden wollte. Ich fühlte mich geschmeichelt und freute mich, dass er bereit war, das Foto mit Maske zu machen (nicht so wie Tobi, der sich später sogar zu fein sein sollte, Lino Burgold mit Maske zu fotografieren, was mit dessen langen Haaren einfach so infinite aussieht). Nach ein wenig Small Talk bekam ich einen sehr positiven Eindruck von ihm, der im Laufe des Turniers noch besser wurde.


Runde 4: 61 Karten mit Baneslayer Angel im Main

Hier gibt's nicht viel Spannendes zu berichten. Wir haben zwei lange erste Spiele und es ist klar, dass wir das dritte erst in der Time beenden werden. Er hält on the play eine Hand ohne Weiß. Seine Gier wird nicht belohnt (um's mit den Worten des legendären Nico Marinkovic zu sagen). Er findet das weiße zwar, aber etwas zu spät und ich gewinne in meinem zweiten Extrazug. Der Keep war noch schlechter, wenn man bedenkt, dass er kein Mana Leak hatte …


Runde 5: 61 Karten

Wir landen fürs dritte Spiel wieder in den Extrazügen und wieder gewinne ich im zweiten. Im Gegensatz zu vielen Leuten (Saito ausgenommen) habe ich kein Problem, mit kleinen Zahlen auf der Uhr zu spielen. Der Gegner macht leichter Fehler und manchmal befindet man sich auch in der angenehmen Situation, nur noch gewinnen oder drawn zu können, aber nicht mehr zu verlieren, was mit RUG gegen Caw-Blade häufig so zu sein scheint.


Runde 6: 60 Karten, aber trotzdem Vögel mit Schwerten, nur ohne Schwarz

Mein Gegner hält nach langem Überlegen on the play zwei Inseln, kein Preordain, kein Stoneforge Mystic, aber Doppel-Mana Leak. Im zweiten Zug kommt Leak auf Cobra. Im dritten kommt erleichtert Celestial Colonnade von oben. Im vierten Glacial Fortress sowie Mana Leak auf meinen Garruk. Im nächsten Zug resolve ich Lotus Cobra (von oben), ziehe mein fünftes Land jedoch erst, nachdem ich meine Titanen und meinen Jace abwerfen durfte und er Counter für den Rest hast. Ich floode dann noch ein paar Züge und bin irgendwann auf null. In dem Fall wurde die Gier meines Gegners belohnt. Wie ich das zweite Spiel verloren habe, weiß ich leider nicht mehr.


Runde 7 + 8: beides 60 Karten

Ich kann beim besten Willen nicht mehr sicher sagen, welche Runde hier welche war. In einer habe ich gegen Caw-Blade (mit Schwarz?) 2:0 gewonnen, in der anderen gegen Valakut. Ans Caw-Blade-Match erinnere ich mich kaum, hier folglich nur was zum Match gegen Valakut:

Ich beginne mit Explore und einem Jace, der brainstormt, von ihm kommt Inferno Titan auf Jace. Ich lege mehr Jace, bounce Titan. Er macht Titan auf Jace. Ich topdecke ein enttapptes Land und kann Frost Titan zocken, er hat nix. Ich habe Inferno Titan. Er kann mit Valakut-Triggern den Inferno Titan töten. Ich habe einen zweiten Inferno Titan. Er ist tot.

Im zweiten Spiel rüstet sein Inferno Titan meine Kobra ab, ich stalle mit Tumble Magnet. Er schießt mit Valakut meinen Inferno Titan ab. Ich spiele Frost Titan hinterher und fateseale ihn aus dem Spiel.

In beiden Spielen hatte er wenigstens zwei Möglichkeiten, Primeval Titan fürs Game Over zu ziehen. Hier habe ich durchaus einiges Glück gebraucht, wenn auch nicht unendlich viel, schließlich kann man im Valakut durchaus viele Blanks ziehen, so ohne Preordain und Jace

„Von Mono-Rot brauch' ma' gar net zu babbeln. Alter, das kannst'e eh in der Pfeife rauchen. Die spielen das Deck, weil sie keine richtigen Karten haben. Guck es dir doch an! Alter hör mir auf. Fang das Thema gar net erst an. Ohne Spaß, ich reg mich scho' wieder auf. Ich krieg ja a hohe Blutdruck. Ich reg mich net auf. Über so'n Deck reg ich mich net auf.“

Runde 9: 60 Karten, schlechtes Matchup für mich (wenn der Gegner Goblin Guide hat und ich keinen Bolt)

Er hält in beiden Spielen sehr langsame Hände, gewinnt aber, weil ich im ersten keinen Lightning Bolt für seine einzige Kreatur und kein enttapptes Land für meinen 6-Drop habe (eins von beidem hätte gereicht) und im zweiten kein zweites blaues Mana für meinen Jace. Hätte ich irgendwas davon gehabt, hätte ich ziemlich sicher beide Spiele gewonnen.

Ich habe mich aufgeregt … Mono-Rot ist zwar kein schlechtes Deck, aber doch bitte nicht in einem Format mit Kor Firewalker und Gideon Jura! Und sogar gegen Decks ohne beides steht man nicht wirklich gut da.

7:2. Das macht gar zwar nur wenig Lust auf Tag 2, aber besser als 0:3-Drop. Ich war zufrieden. Jürgen stand 8:1 und machte mir gute Hoffnungen, nicht als einziger Münchner nach Japan zu fliegen, Flo verlor leider die letzte Runde und Robert hat glorreich 4:3:2 gespielt. (Wie er gegen Kuldotha-Red gedrawt hat, verstehe ich bis heute nicht.)

Flo entschied sich gegen den PTQ am nächsten Tag und ist lieber ins Casino abgehauen, während wir anderen drei bei der Jugenherge noch beim Asiaten, der eigentlich eine American Bar war, gut und günstig gespeist haben. Robert hat noch sein Dredge fürs Legacy fertiggebaut und dann begann mein Schlafmit…

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