Es ist mal wieder so weit: Eine neue Edition, ein neuer Block, ein neues Standardformat.
Das bedeutet zunächst mal eine herrl
iche Zeit, da man endl
ich wieder von der Basis an Decks bauen kann. So verschwindet der überaus dominante
Zendikar-Block mit seinen Fetchländern,
Lotus Cobra,
Goblin Guide und
Valakut genauso wie
M11 und damit
Preordain,
Fauna Shaman oder
Lightning Bolt. Anstelle dieser Editionen tritt mit
Innistrad eine Welt, die uns ihre Spielstärke erst noch offenbaren muss.
Bevor wir uns aber den wirkl
ich neuen Karten zuwenden können, wollen wir uns in dieser Woche erst einmal ansehen, was vom aktuellen Standardformat so übrig bleibt, denn eins (das haben die letzten Jahre gezeigt) sollte auch klar sein: Der komplette alte Block bietet meist die erfolgversprechenderen Aussichten auf ein funktionierendes Deck als die eine neue Edition. Das liegt hauptsächl
ich an der Wizards'schen Taktik, die Blockmechaniken erst nach allen drei Sets ausgereizt zu haben, wodurch vielen neuen Ansätzen zunächst noch irgendwie ein Baustein fehlt. Erinnert ihr euch etwa an die Anfänge der Vampire in
Zendikar? Trotz solcher Juwele wie
Gatekeeper of Malakir,
Bloodghast oder
Vampire Nighthawk war das Deck anfangs nicht gut genug. Erst mit
Kalastria Highborn in der folgenden Edition ging da etwas. Dabei gab es damals sogar nur zwei Editionen, um die Blockthemen umzusetzen. Ein anderes Beispiel wäre Steel-Aggro aus dem
Scars-Block, welches mit
New Phyrexia wirkl
ich spielbar wurde. Ähnl
iches erwarte ich jetzt von
Innistrad. Auf den ersten Blick scheinen sämtl
ichen Tribes, aber auch dem Friedhofsthema noch kleine Bausteine zu fehlen. Das bedeutet jetzt nicht, dass sie automatisch unspielbar sind, aber einfach ein paar Menschen in ein Deck zu stecken und die passenden Lords dazuzupacken, wird wohl eher nicht zum neuen Spitzendeck führen.
Natürl
ich kann diese Grundregel ein wenig über Bord geworfen werden, wenn entweder alberne Einzelkarten oder brokene Mechaniken frisch dabei sind, doch zumindest in diesem Moment sieht es für mich nicht so aus, als würde eins von beiden auf
Innistrad zutreffen. Stattdessen werden wohl zunächst die
Scars-Decks, erweitert um die eine oder andere
M12- beziehungsweise
Innistrad-Karte den Ton angeben, während echte Neuansätze eher die Ausnahme bilden. Schauen wir deshalb als Erstes einfach mal, welche „alten“ Karten das Format in den nächsten Wochen prägen könnten:
1. Dismember: Billiges, farbloses Removal ist offensichtl
ich broken, selbst wenn man (bis zu) vier Leben zahlen muss. Wie ungefähr jeder andere auch, gehe ich davon aus, dass
Dismember in nahezu jedem Deck irgendwo in den 75 Karten dabei sein wird. Das muss man beim Deckbau natürl
ich berücksichtigen, bedeutet es doch zum Beispiel:
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Eine Toughness > 5 ist absolut Gold wert.
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Schutz vor Schwarz ist besser als je zuvor.
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Das wiederum könnte dazu führen, dass viele Decks mittelteure Kreaturen vermeiden, um den Tempovorteil durch ein gespieltes
Dismember des Gegners so gering wie mögl
ich zu halten. Dies bedeutet dann eine Menge kleiner Würste, die im Idealfall auch noch so viel Druck machen, dass der Lebenspunkteverlust beim Spielen von
Dismember doppelt weh tut, oder aber andererseits eine Fokussierung auf echte Fettklöpse mit einem Hintern fetter als fünf.
2. Mana Leak: Zumindest einen billigen Counter zu haben, tut einem Format im Normalfall unheiml
ich gut, da man so einem Wettrüsten vorbeugen kann. Was ansonsten passiert, konnte man gut im
Scars-Block sehen, wo die einzige Restriktion die Geschwindigkeit von
Tempered Steel war.
3. Fast alle Planeswalker: In einem Format, das zwangsweise ein wenig Geschwindigkeit und Stärke verliert (ein Set ersetzt vier), werden die per Definition übermächtigen Planeswalker noch mal stärker. Hinzu kommt die Beschränktheit der Antw
orten. Allerdings sind die meisten dieser Jungs (und Mädels) mittlerweile nur noch zieml
ich eingeschränkt nutzbar. Anders als
Jace, the Mind Sculptor verlangen sie nahezu durchgängig nach relativ bestimmten Decks:
Koth of the Hammer benötigt viele Gebirge,
Garruk, Primal Hunter viel grünes Mana,
Venser, the Sojourner blinkbare Sachen,
Jace, Memory Adept irgendwelche Friedhofspielereien,
Tezzeret, Agent of Bolas Artefakte und so weiter. Passt das aber zusammen, sind sie mal so richtig albern. Insofern gehe ich davon aus, dass wir bald eine Menge XXX- (insert Planeswalker) -Decks sehen werden.
4. Beast Within, Oblivion Ring, (Despise): Neben
Mana Leak und „einfach Aggro sein“ sind das die besten Antw
orten auf ebenjene Planeswalker. Bei den beiden ersten bin ich zieml
ich sicher, dass sie viel häufiger im Einsatz sein werden als bisher. Ob
Despise hingegen wirkl
ich ein adäquater Erstatz für
Inquisition of Kozilek sein kann, ist bisher unklar, weil es doch einige Decks geben wird, die mit nur wenigen Kreaturen/Planeswalkern auskommen. Zusätzl
ich helfen sie aber auch noch gegen eine andere Kategorie von wichtigen Karten, näml
ich gegen diese hier …
5. Die sieben Titanen (inklusive Consecrated Sphinx, Wurmcoil Engine): Diese völlig bescheuerten Kreaturen werden weiterhin das Lategame bestimmen. Welche jetzt im Detail wie gut sind, muss sich erst noch zeigen, wobei schon wieder das Metagame federführend sein wird. So bedeuten viele aggressive Würste immer einen Vorteil für
Inferno Titan oder
Wurmcoil Engine, während ein
Frost Titan oder
Sun Titan (zum Beispiel mit Phanatsmal Image) eher gegen andere dicke Jungs funktioniert. Gespannt bin ich besonders auf
Primeval Titan, für den es meines Erachtens nicht mehr genug interessante Ziele gibt – aber vielleicht täusche ich mich auch bei den neuen
Innistrad-Ländern.
6. Birthing Pod: Dass der Pod gut ist, sollte mittlerweile jeder erkannt haben. Die völlige Ausschöpfung des Potenzials bezweifle ich hingegen immer noch, da es einfach zu viele Mögl
ichkeiten gibt, um dieses Artefakt herum etwas zu bauen. So starten die meisten Decks immer mit einer grünen Basis, was aufgrund des grünen phyrexianischen Mana auch nachvollziehbar ist. Zwingend notwendig ist es allerdings nicht, wie beispielsweise das
Grand Architect-Deck von Kenny Öberg bei der Block-PT gezeigt hat. Insofern bin ich überaus gespannt, was genau außer dem Pod selbst in den entsprechenden Decks enthalten sein wird, besonders da der Favorit der letzten Wochen – RUG – seine Kombo in der Rotation verliert und man einen neuen Ansatz benötigt.
7. Tempered Steel/Shrine of Burning Rage: Diese beiden Karten werden wohl das Rückgrat der wichtigsten Aggrodecks des Formats bilden: Affinity a.
k.
a. Steel-Aggro beziehungsweise Monorot. Während Ersteres im Vergleich zum
Scars-Block kaum Zugewinne erhält, ist bei Letzterem noch ein wenig offen, wie
das rote Deck jetzt im Detail aussehen wird: Burn, Goblins, Vampire, Big Red, mindestens diese vier Mögl
ichkeiten stehen für den Moment im Raum und ich möchte nicht
ausschließen, dass nicht auch mehrere parallel erfolgreich sein können. Steel-Aggro ist weiterhin relevant als Sparringspartner #1. Das Deck dürfte recht eindeutig zu bauen sein und ist gleichzeitig ein guter Gradmesser für alle neuen Kreationen. Wer daran scheitert, sollte lieber noch einmal ans Reißbrett zurück …
8. Mirran Crusader: Protection from
Dismember dürfte ihn in den nächsten Wochen zum absoluten Vorreiter sämtl
icher weißer Decks machen. Da er zudem ausgesprochen geeignet ist, ausgerüstet zu werden, dürften das insbesondere neue Versuche von Caw-Blade und
Puresteel Paladin-Decks sein, aber auch in einem mögl
ichen White Weenie findet er ein Zuhause. Ja, er ist sogar ein Mensch …
9. Day of Judgment, Black Sun's Zenith, Slagstorm: Die besten Zorn-Effekte in ihren Farben müssen zunächst einmal abwarten, wie sich das Metagame so entwickelt. Gerade die beiden von der Stärke der gegnerischen Kreaturen abhängigen könnten zwischen extrem wertvoll (viele kleine Männer werden gespielt) und nahezu nutzlos (nur dicke Jungs) schwanken. Da in einer frischen Umgebung aber meist viel Beatdown gespielt wird (da es bekanntl
ich keine falschen Fragen, nur falsche Antw
orten gibt ), dürften sie gerade in den nächsten Wochen in den Control-Decks unverzichtbar sein.
10. Ponder: Das neue
Preordain … Okay,
Ponder ist nicht halb so broken, besonders ohne Fetchländer, allerdings gibt es keine realistische Alternative. Deswegen wird
Ponder wohl gespielt werden, aber nicht als der Auto-Include, der
Preordain war.
Honorable Mentions: Puresteel Paladin,
Hero of Bladehold,
Birds of Paradise,
Green Sun's Zenith, diverse Schwerter aus XXX und YYY,
Sphere of the Suns,
Ratchet Bomb,
Solemn Simulacrum,
Spellskite,
Blinkmoth Nexus …
Ein paar Karten gibt es jetzt auch aus
Innistrad, denen ich eine vergleichbare Bedeutung zutraue:
1. Snapcaster Mage: Die vielleicht am meisten gehypte Karte der neuen Edition ist diesmal auch tatsächl
ich eine starke. Ich gehe davon aus, dass wir den guten Tiago tatsächl
ich in nahezu jedem Deck mit blauen Manaquellen sehen werden, da er einfach zu flexibel und gleichzeitig stark ist, als dass es anders sein könnte. Die
Flexibilität bezieht sich hier nicht nur auf seine eigentl
iche Anwendung, sondern auch auf die verschiedenen Decktypen, in die er gut passt:
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Echter Kontrolle dient er als Kartenvorteilselement, das zudem immer den gerade benötigten Spruch liefert.
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Caw-Blade ähnlichen Kreationen recycelt er das random Ponder, Dismember, Mana Leak oder so und trägt danach das Schwert der Wahl.
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Venser- oder Birthing Pod-Decks haben zwar meist nur wenige Sprüche, dafür lässt sich der Mage gleich weiterverwenden.
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| | 2. Liliana of the Veil, Garruk Relentless: Warum Planeswalker jetzt eine Blütezeit erleben werden, habe ich ja schon beschrieben. Die beiden neusten Exemplare reihen sich wohl wunderbar in die bestehenden ein. Mit Kosten von drei und vier und durchaus annehmbaren Fähigkeiten können sie durchaus die Basis von funktionierenden Decks bilden, wobei sie trotzdem so speziell sind, dass sie nicht einfach in irgendwelche Decks geworfen werden können. |
3. Ancient Grudge: Ich gehe davon aus, dass Artefakte eine wichtige Rolle in den nächsten Monaten spielen werden. Klingt logisch, war Scars of Mirrodin doch der entsprechende Block und auch das passende Block-Constructed-Format kam kaum ohne aus. Ancient Grudge ist jetzt die perfekte Antwort. Vielleicht nicht ganz so beeindruckend wie Creeping Corrosion im Duell mit den neuen Inkarnationen von Affinity – aber trotzdem noch extrem stark –, dafür viel besser gegen die diversen Schwerter, Sphären der Sonne, Blinkmoth Nexus oder Spellskite. | |
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| | 4. Ghost Quarter: In Ermangelung an Alternativen könnte das wohl die Waffe gegen Inkmoth Nexus und die neuen Länder, die irgendwas machen TM, sein. Ghost Quarter ist dabei nicht sonderlich effizient, sollten die genannten Terrains aber tatsächlich so wichtig werden, wie Block-Constructed mit dem Nexus angedeutet hat, frisst der Teufel halt die sprichwörtlichen Fliegen. |
5. Die fünf feindfarbenen „M12“-Länder: Okay, das war offensichtl
ich …
Honorable Mentions:
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Champion of the Parish: Wenn es ein Menschendeck geben sollte, wird er eine entscheidende Rolle spielen, da das wichtigste für solche Decks immer der gute 1-Drop ist.
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Fiend Hunter: Weiße Removal-Kreatur für Pod/Venser-Spielereien.
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Mentor of the Meek: Wohl nur in bestimmten Decks (Puresteel Paladin), da die Konkurrenz in diesem Manabereich ziemlich beeindruckend ist.
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Dissipate: Striktes Upgrade zu den bisher vorhandenen Hardcountern im Format, was Dissipate in die Decks bringt, die so etwas suchen.
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Invisible Stalker: Ein besserer Silhana Ledgewalker, der ja auch durchaus gespielt wurde. Ich habe keine Ahnung, wo genau er unterkommen wird, das Potenzial ist auf jeden Fall da und das Bild einfach großartig!
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Silent Departure: Klar vermisst man den Instantspeed von Unsummon, wodurch eine defensive Verwendung erschwert wird, dafür gibt's Rückblende und damit ein solides, doppelt verwendbares Tempoplay.
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Think Twice: Ebenfalls eher solide als überragend sollte Think Twice in all den ruhigeren Controldecks Anwendung finden. Dagegen sprechen nur der Mangel an solider Neutralisierungsmagie und die nicht vorhandene Kombo mit Snapcaster Mage.
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Curse of Death's Hold: Einer meiner Tipps. Macht einige Decktypen total kaputt, kann zudem auch in multiplen gespielt werden (anders als die vergleichbare Nacht des Verrats der dunklen Seelen im Mondschein der Verräter des Grauens).
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Diregraf Ghoul: 2/2 für ein Mana ist zwar auch nicht mehr das, was es mal war, ein guter Mann, äh Ghoul, ist das natürlich trotzdem. Inwiefern er jetzt ein passendes Aggrodeck findet, wird sich zeigen, ich glaube für den Moment nicht dran.
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Brimstone Volley: Fünf an den Kopp? Klingt nach einem soliden Plan, besonders im Goblindeck.
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Geistflame: Diese Karte könnte relevant werden, wenn Kreaturendecks das Format bestimmen. Sie trifft nahezu jeden 1-Drop, egal ob angreifende Vampire oder manaspendende Vögel und das gleich zweimal.
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Stromkirk Noble: Der wird wohl die Manakurve roter Decks starten.
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Avacyn's Pilgrim: Der Manaelf der Edition, noch dazu mit der Bereitstellung wichtigen weißen Manas für die Pod-Decks.
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Tree of Redemption: Auch hier habe ich keine Ahnung, wo der unterkommt, aber der Effekt ist einfach superstark, das Ding ist Dismember-proof und zudem einfach zu verlockend für jeden Johnny …
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Geist of Saint Traft: Neben Snapcaster Mage vielleicht die am meisten beschriebene Karte der Edition. Ich bin noch nicht so überzeugt von ihr, auch wenn sie natürlich einen guten Schwertträger abgibt.
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Witchbane Orb: Wie gut eine Ivory Mask sein kann, hat die passende Leyline ja immer mal gezeigt. Natürlich benötigt es dafür das passende Metagame, wenn es das aber geben sollte, ist es gut, so einen Effekt für alle Decks zugänglich zu haben.
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Die neuen Länder, die irgendwas machenTM: Sie sind eigentlich alle ausreichend spannend, dass sie in den Decks, die ihre Fähigkeiten anwenden können auch gespielt werden. Ob das jetzt in zweifarbigen Haufen immer optimal ist oder ob man lieber bei Blinkmoth Nexus beziehungsweise Ghost Quarter bleibt, wird wohl auch stark von der Fokussierung abhängen.
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So, da fehlen natürl
ich noch etl
iche interessante Karten. Von denen gibt es näml
ich eine ganze Menge, allerdings will ich euch ja auch noch in den kommenden Wochen unterhalten.
Außerdem gibt es ein paar, denen – wie schon in der Einleitung angedeutet – für meinen Geschmack noch zu viel Zubehör fehlt, um ihr Potenzial ausreichend entfalten zu können.
Zusammenfassend kann man also weiterhin von einem Metagame ausgehen, indem richtig aggressive Decks (Monorot, Steel-Aggro, eventuell White Weenie, Menschen, Elfen) und Planeswalker-Decks den Ton angeben. Letztere sind eher kontrolllastig, allerdings nur bedingt im klassischen Sinne. Stattdessen wird mit dicken Spells (der passende Planeswalker und diverse Titanen) um sich geworfen, dass es eine wahre Freude ist. Midrange wird wohl zunächst von Crusader-Blade und
Birthing Pod gebildet werden. Echte Kontrolle und friedhofsbasierte Decks dürfte es auch geben, jedoch eher als Randerscheinung.
Jetzt wünsche ich euch erst mal viel Spaß und Erfolg auf dem
Prerelease eurer Wahl. Ich selbst bin jedenf
alls schon begeistert, da mir die Edition von Flair und Umsetzung des Grundkonzepts mal so richtig gut gefällt. Ich meine, mit Mistgabeln und Fleischerbeilen bewaffnete Menschen, die Zombies und Vampire jagen, Werwölfe, die sich verwandeln (wenn auch nicht sonderl
ich elegant) und kleine Kinder die zu bösen Dämonen werden – wem das nicht zusagt, der hat eindeutig das Hobby verfehlt!