An dieser Stelle könnte eine Legacy-Review von
Dark Ascension
stehen. Doch solche Artikel sind in letzter Zeit immer schwieriger zu schreiben. Oftmals gibt es ein singuläres Highlight und dazu sehr viele Karten, die Legacyspieler eher in ihre Commanderdecks verbauen. Mit diesem Artikel möchte ich also von Set-Reviews abrücken. Stattdessen gehe ich zu Besprechungen von einzelnen Karten und Kartengruppen über. Für euch Leser heißt das: weniger fragwürdige Decklisten und Ideen zu grenzwertigen Karten und stattdessen mehr Artikel, die zielgerichteter und tiefer in die Materie einsteigen. Das beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf neue Karten. Auch zu alten und treuen Legacygefährten gibt es immer noch eine Menge zu erzählen. Über
Brainstorm
zum Beispiel könnte man leicht ein Buch schreiben.

Angefangen wird aber mit einer neuen Karte aus
Dark Ascension.
Grafdigger's Cage
erscheint auf dem Papier als eine unglaublich metagamerelevante und -verändernde Karte. Als jemand, der sehr gerne Dredge spielt, bin ich selbstverständlich nicht begeistert. Nach längerem Nachdenken finde ich diese Karte jedoch gar nicht mehr so schlimm. Es folgen meine Argumente, warum
Grafdigger's Cage
zwar spielstark, aber im Endeffekt wenig bedeutend ist. Vorher lesen wir einmal die Karte und fragen uns, warum „Grave“ jetzt „Graf“ heißt. Das mag man „Flavor“ nennen, ich finde diesen leichten Hang zum Verdeutschen ein wenig merkwürdig. Mein geschätzter Freund
Geist of Saint Traft
sieht das ähnlich.
Ein Käfig als Lösung
Zunächst einmal sollten wir uns anschauen, gegen welche Karten/Decks der Käfig gut ist. Auf Anhieb lässt sich da wie gesagt Dredge nennen, das von dem neuen Artefakt schlimm getroffen wird. Im Gegensatz zum üblichen Graveyardhate verliert der Dregdespieler alle relevanten Möglichkeiten, sein Deck zu spielen. Eine Hatekarte wie
Tormod's Crypt
behindert den Dredgespieler zwar, aber der Gegner muss eben den richtigen Moment abwarten. Man kann auch unter einer Crypt dredgen und mit
Ancient Grudge
den Zeitpunkt der Aktivierung selbst bestimmen. Die neuerdings beliebte
Surgical Extraction
kann ebenfalls eine böse Karte sein, erwischt aber nur eine der Strategien von Dredge.
Grafdigger's Cage
hingegen ist wahrhaftig ein Käfig, aus dem es wenig Hoffnung zu entkommen gibt. Zwar wird
Bridge from Below
nicht direkt ausgeschaltet, doch ohne
Ichorid
und
Narcomoeba
, ohne
Cabal Therapy
und
Dread Return
gibt es nicht viele Spielsteine zu erzeugen. Wo anderer Hate zum Neuaufbau oder leichten Umdenken in der Strategie zwingt, da forciert der Käfig etwas, was der Dredgespieler auf jeden Fall vermeiden möchte: Fair spielen, mit allem drum und dran, Landdrops, Handkarten und so weiter. Dementsprechend ist die manalose Dredgevariante gegen diese neue Hatekarte denkbar ungeeignet.
Leyline of the Void
auf der Starthand kommt dem neuen Artefakt in seiner Funktion scheinbar sehr nahe. Auch hier ist der Dredgespieler gezwungen, mit seiner Hand zu spielen anstatt aus seinem Graveyard. Obwohl die Leyline in diesem bestimmten Fall schlimmer ist, da nach Behebung des Problems immer noch ein Graveyard aufgebaut werden muss, ist
Grafdigger's Cage
im Endeffekt doch die stärkere Hatekarte. Ungleich Leyline schaltet sie Dredge auch zu einem späteren Zeitpunkt sofort ab. Wo
Ray of Revelation
und
Ancient Grudge
gegen späte Hatekarten vorbeugen, ist der Käfig immer ein kompletter Aus-Schalter für lächerlich geringe Kosten von

. Damit es mal nicht so kommt, muss schon eine erhebliche Armee oder eine renaimierte Kreatur im Spiel sein. Wenn das der Fall ist, hilft sowieso keine traditionelle Hatekarte mehr.
Nach ähnlichem Prinzip funktiert die Karte auch gegen Reanimator. Der Vorteil ist, dass man seinen Friedhof mit Kreaturen aufstocken kann, bis das Problem gehandhabt ist. Andererseits muss das Artefakt aktiv beseitig werden. Mehrere Discardoutlets, Kreaturen und Reanimationssprüche können gegen herkömmlichen Graveyardhate einfach verwendet werden, um ihn auszulösen und dann noch einmal zu reanimieren. Dafür müsste eigentlich noch nicht einmal geboardet werden.
Grafdigger's Cage
hingegen muss aktiv beseitigt werden, was in Blau-Schwarz Bouncespells, einen Splash oder
Engineered Explosives
voraussetzt. Persönlich würde ich letztere Lösung bevorzugen, da sie auch gegen viele andere Hatekarten und Probleme wirksam ist. Da Reanimator schnell sein kann und genügend Counter spielt, ist die Karte aber etwas weniger schlimm als gegen Dredge.
Als Letztes haben wir noch Stormdecks auf der Liste, die neuerdings gerne mit
Past in Flames
agieren. Gegen diese Decks ist
Grafdigger's Cage
völlig unbeeindruckend. Das Artefakt erwischt nur besagtes Flames und nicht
Ill-Gotten Gains
. Genau wie
Runed Halo
und
Meddling Mage
auf
Tendrils of Agony
oder
Gaddock Teeg
ist das Artefakt zudem lediglich eine weitere passive Hatekarte unter vielen. Wo
Ethersworn Canonist
oder
Chalice of the Void
den Kombospieler aktiv daran hindern, schnell eine Lösung zu finden, so sind die vorher aufgelisteten Karten erst dann ein Problem, wenn man schließlich abgehen will.

Auch gegen Decks, deren Strategie nicht auf dem Friedhof basiert, ist das 1-Mana-Artefakt wirksam. Neben weniger gespielten Karten wie
Persist-Kreaturen
und so weiter wird
Snapcaster Mage
ebenso abgestellt wie
Natural Order
und
Green Sun's Zenith
. Hier sind wir auch schon beim primären Zweck der Karte. Mage und Zenith sind den Küstenmagiern dann wohl doch ein bisschen zu stark, und wenn das Dredgedeck damit auch getroffen wird, umso besser. Können wir all diese Decks und Karten demnächst austüten? Nein, es wird sich nämlich nicht viel ändern.
Die Probleme eines Totengräbers
Sicherlich kann es dazu kommen, dass viele Leute Cages in ihre Sideboards aufnehmen. Die Karte ist ja auch ein gutes Ziel für
Enlightened Tutor
und könnte mit
Trinket Mage
gesucht werden, wenn man den jungen Herrn noch spielen würde. Meine Gründe, warum der Käfig im Endeffekt nicht zu viel ändern wird, sind dementsprechend auf lange Sicht zu sehen und nicht am ersten Hype zu messen.
Fangen wir von hinten an.
Snapcaster Mage
und
Green Sun's Zenith
sind Karten, die zurzeit sehr häufig gespielt werden. Dementsprechend stehen die Chancen hoch, dass man sich mit dem Cage selber ins Fleisch schneidet. Gegen Dredge und Reanimator kann das in Kauf genommen werden, gegen andere Decks ist das weniger gerechtfertigt. Maverick, Bladecontrol und weitere Decks mit Mage oder Zenith wollen
Grafdigger's Cage
höchstens einmal als
Enlightened Tutor
-Ziel spielen. Nötig ist das aber nicht, zumal Maverick Zugriff auf
Scavenging Ooze
hat. Jetzt könnte eingewendet werden, dass es sich mit
Gaddock Teeg
und Zenith ähnlich verhält, doch dieser ist gegen ein weites Spektrum an Decks sehr stark und kann mit
Karakas
wieder auf die Hand genommen werden.

Zieht man vom Legacyformat alle genannten Decks ab, also eben die üblichen Kombodecks sowie auch Maverick und Snapcasterdecks, dann fehlt fast das ganze Spektrum an Decks to beat. Ist
Grafdigger's Cage
also eine Karte für die Underdogs? Auch nicht. Bladecontrol, Team America, Maverick und verschiedene Varianten von Tempodecks (mit
Snapcaster Mage
) werden nicht gegen einen Cage einschieben. Ganz im Gegenteil, denn die Karte macht gegen diese Decks zunächst einmal wenig und in mehrfacher Ausführung auch nicht mehr. Der Gegner muss seine Snapcaster und Zeniten ziehen, damit sie nutzlos sind. Und dann bleibt ihm immer noch ein 2/1er mit Flash oder eine Pitchkarte für
Force of Will
beziehungsweise eben das Warten auf
Qasali Pridemage
. Für den von
Knight of the Reliquary
malträtierten Cage-Spieler bleibt der schale Beigeschmack, dass eher der Bote als die Botschaft erschossen wurde.
Was ist aber nun mit Reanimator und Dredge? Tatsächlich trifft es diese Decks härter. Sie müssen sich im Sideborad auf Cage einstellen.
Engineered Explosives
,
Echoing Truth
oder Ähnliches für Reanimator und
Nature's Claim
für Dredge sind dann aber auch alles, was getan werden kann und sollte.
Grafdigger's Cage
wird aus oben genannten Gründen eben nicht den Weg in jedes Sideboard finden.
Tormod's Crypt
,
Relic of Progenitus
und
Surgical Extraction
haben alle ihre eigenen Vorteile und müssen weiterhin in Sideboards bleiben. Mit viermal Cage im Sidebaord steht man auch nicht besser gegen
Life from the Loam
da, ist auch nicht diverser gegen ein
Echoing Truth
vom Reanimatorspieler aufgestellt, sieht immer noch alt aus gegen Rekursionsstrategien mit
Academy Ruins
und
Crucible of Worlds
. Dementsprechend sind
Leyline of the Void
und
Grafdigger's Cage
auch nur oberflächlich vergleichbar. Echter Graveyardhate beseitigt alle Probleme,
Grafdigger's Cage
unterbindet nur zeitweise einige Graveyard-und-Library⇒Battlefield-Probleme.
Für die nähere Zukunft sehe ich Dredge und Reanimator nicht in den guten Metapostionen, in denen sie jetzt sind, aber mit ein bisschen Zeit werden auch diese beiden Decks wieder zurückkommen. Graveyardstrategien sind im Hinblick auf das Meta sowieso zyklisch. Solche Decks holen Spieler gerne wieder raus, wenn keiner damit rechnet und dementsprechend wenig Hate im Umlauf ist. So wird es auch mit der Einführung von
Grafdigger's Cage
der Fall sein. Einzig Manaless Dredge ist nun einfach keine gute Wahl mehr. (Ich fand im Übrigen, dass es nie eine gute Wahl war.) Gegen Leyline einschieben wird zu: Gegen Leyline und Cage einschieben. Selbst wenn die Hatekarten wenig verbreitet sein werden, sollte dem Gegner kein so einfacher Sieg geschenkt werden. Für herkömmliche Dredgelisten ist hingegen einfach eine Kennzahl besonders wichtig, nämlich wie viele Decks
Enlightened Tutor
und Cage im Sideboard haben.
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